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Augmented Reality

12.12.2017 10:46

Schildkröte in der Badewanne

Mit einem neuen Kinderbuch-Konzept geht das Grazer Start-Up Discovery Books an den Start. Erstmals soll in einem Spielbuch, das noch dazu badewannentauglich ist, Augmented Reality eingebunden werden.

Es ist eine recht späte Leidenschaft. Im Alter von fast vierzig  Jahren entdeckt Marco Paul, lange Zeit in der Spielzeugbranche tätig, seine wahre Liebe: das Knautsch- und Badebuch. Was ihn daran fasziniert: die Möglichkeit in dieser Art von Kinderbüchern, die auf weichem Kunststoff gedruckt werden, thermosensitive Farben zu verwenden. Es müsste ja möglich sein, kommt ihm eines Tages der Gedanke, Kinderbücher so zu gestalten, dass sie in der warmen Badewanne, andere Bilder zeigen als an der kühleren Außenluft.

Das fühlte sich fast schon noch einer Geschäftsidee an. Bloß: So ganz neu ist der Gedanke mit der Thermofarbe ja nicht. Um Sondereffekte in Kinderbüchern zu erzeugen, experimentieren andere Verlage damit auch. Irgendetwas ganz Neues, am besten musste er seinem Traum von einem ganz anderen Kinderbuch also noch hinzufügen, das wusste Marco Paul ziemlich bald.

Der Schritt von der Badewanne zu High-Tech folgte bei einem berufsbegleitenden Betriebswirtschaftsstudium, bei dem der Grazer den fast fünfzehn Jahre jüngeren Thomas Tschebul kennenlernte – bislang Miteigentümer einer Modelagentur und schon altersbedingt ziemlich internetaffin. Und dann fiel zum ersten Mal das Wort Augmented Reality. Schon bald einigte man sich darauf, das erste Kinderbuch der Welt zu erschaffen, das mehrere Entdeckungsebenen, unter anderem Augmented Reality verwendet.  Ab Jänner soll es auf den Markt kommen. Verlegt bei Dicovery Books, einem Start-Up, das Paul, Tschebul und der Programmierer Nelson Langkamp zu Jahresbeginn gründeten und per Crowdfunding vorfinanzierten.

Pauls Pauli

Das Gimmick mit der Thermofarbe haben sie beibehalten: Je nachdem, ob über oder unter Wasser gehalten, trifft Titelheld Pauli, eine Schildkröte, andere Freunde auf seinen Abenteuern. „Das Bild verändert sich, das freut die ganz jungen User. Später können auch andere Features wie Sound oder eben Augmented Reality genutzt werden. Damit ist es ein regelrecht mitwachsendes Kinderbuch. Mit steigendem Alter wird es in seiner Bedienung immer anspruchsvoller und interessanter“, erklärt Paul das Konzept von Discovery Books.

Der  Augmented-Reality-Teil des Badebuchs kommt, obwohl die Firmengründer es gerne anders gehabt hätten, nicht ohne eine eigene App aus. Sobald die Pauli-App aber am Smartphone oder Tablet installiert ist und die Kamera aufs Buch gehalten wird, beginnen die Figuren des Buchs sich zu bewegen und sie tun das vor dem realen Hintergrund, den die Kamera ja auch mit aufzeichnet. Mit Wischgesten kann dann auch die Geschwindigkeit und die Richtung gesteuert werden, in die sich die Figuren bewegen.

Papas Gute-Nacht-Geschichte von der Dienstreise

Eine eigene Soundfunktion erlaubt überdies, dass Erwachsene im Vorhinein einen Text zu der Bildergeschichte als Audiodatei aufnehmen – das Kind kann sich die Geschichte später anhören und das Buch dabei ansehen. „So kann dann der Vater dem Kind eine Gute-Nacht-Geschichte vorlesen, auch wenn er gerade auf Dienstreise ist“, sagen Paul und Tschebul.

Drei Bücher aus der Pauli-Serie will Discovery Books zunächst auf den Markt bringen „pauli & space-freinds“, „pauli & sea friends“ und „pauli & circus friends“. Dass das Konzept ihres Buchs möglicherweise nicht wirklich stringent ist und es zwar mit dem Anspruch antritt, Kindern die Liebe zum physischen Buch zu vermitteln, letztlich aber doch in der digitalen Welt endet, sehen die Gründer von Discovery Books nicht als Problem: „Kinder wachsen heute in einer digitalen Umgebung auf und wenn sie diese Welt angeleitet kennenlernen, ist das laut Studien besser, als wenn man sie allein lassen würde“, sagen sie.

Zuhause wird gelesen

Der mögliche Erfolg des Produkts lässt sich schwer einschätzen. Es kann gut sein, dass die Thermofunktion im Bad zumindest bei den Jüngeren gut ankommt. Die Augmented-Reality-App hingegen könnte möglicherweise aber etwas sein, das eher technikverliebte Väter ansprechen wird als deren Kinder. Das legt zumindest die im Sommer 2017 publizierte Kinder-Medien-Studie der Verlage Blue Ocean Entertainment, Egmont Ehapa Media, Gruner + Jahr, Panini, Spiegel und Zeit. Sie zeigt, dass Vorschulkinder – und sie sind das Zielpublikum von Discovery Books – immer noch am liebsten ganz und gar analog spielen. Auf Platz eins der beliebtesten Tätigkeiten steht dabei: mit Freunden zusammen sein, dicht gefolgt von: im Freien toben. Auf diesen Einwand hat  Marco Paul allerdings auch eine Antwort: „Das Kind kann ja noch so lange draußen spielen, irgendwann kommt es heim und muss dann in die Badewanne. Und das ist dann der Moment für unser Buch.“

Eine Frage allerdings muss offen bleiben: was passiert, wenn das badende Kind das Smartphone bei der Nutzung der Augmented Reality-Funktion in der Wanne versenkt. 

 

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