Business Design Tools Druck Digital PLUS
StartseiteDesignIllustrationenSein bester Feind

Illustrationen

25.06.2017 18:42

Sein bester Feind

Trump als Meteorit, der auf die Erde zurast, Trump als Henker der Freiheitsstatue: Der deutsche "Spiegel" provoziert mit drastischen Coverillustrationen über den US-Präsidenten. Der Urheber der Provokation, der US-amerikanische Grafiker Edel Rodriguez, hält im Gespräch mit 4c seinen Zeichenstil aber einfach nur für einen geradlinigen Ausdruck von Wut und Verzweiflung.

Selten entspannen sich über ein Cover des "Spiegel" so viele Diskussionen wie über jenes: Donald Trump, der neu gewählte amerikanische Präsident als Henker der Freiheit, mit blutverschmiertem Messer in der einen, den abgetrennten, blutenden Kopf der Freiheitsstatue in der anderen Hand. Die visuelle Nähe zu den grauenhaften Bildern, die etwa die Ermordung westlicher Geiseln durch IS-Terroristen zeigen, war evident und die Reaktion der Öffentlichkeit auf das Cover heftig genug für einen kleinen Medienskandal: Mit insgesamt 21 Beschwerden wegen des Titelbildes musste sich der deutsche Presserat befassen - alle wurden abgelehnt.

"Weil ich traurig bin"

Der Urheber der visuellen Provokation heißt Edel Rodriguez. 1980 floh er aus Kuba in die USA und arbeitet in New York als Illustrator. Rodriguez macht keinen Hehl daraus, dass er Donald Trump nicht mag und dass er ihn für ungeeignet für den Posten des Präsidenten hält. Knapp ein halbes Dutzend von Rodriguez` Illustrationen, die Trump in eher unvorteilhafter Bildkomposition zeigen, hat der Spiegel abgedruckt. Trumps Kopf als Planet, der auf unseren Planeten zurast. Trump, der mit dem Planeten Golf spielt. Trump und der nordkoreanische Diktator Kim Jong-Un als Babys, die auf Atomraketen reiten. Da stellt sich die Frage, warum er so, fast schon, aggressiv zeichnet? „Weil ich traurig bin und mich für mein Land schäme“, sagt der Grafiker gegenüber 4c. Er möchte zeigen, was die USA mit der Wahl Trumps angerichtet haben. „Dieser Mann regiert das Land. Es sind gefährliche Zeiten und sie brauchen klare Warnungen“, sagt Rodriguez. „Darum zeichne ich fesselnde Bilder, die man nicht ignorieren kann“, fügt er hinzu.

Trump als Emoji

Seine Zeichnungen sind plakativ, bunt und eigentlich auch ziemlich vorhersehbar. Rodriguez’ Trump hat nie Augen, sein Mund ist immer geöffnet, als würde er schreien, toben. Die blonde Mähne ist dichter und mächtiger als in Wirklichkeit. Im Grunde sieht der Donald Trump des Edel Rodriguez aus wie ein Emoji - und das ist durchaus gewollt. „Ich wollte eine Art Marke schaffen“, so Rodriguez über die künstlerische Entscheidung, Trump so minimalistisch wie möglich zu zeichnen. „Wenn ich die habe, kann ich sie drehen und wenden wie ich will und der Betrachter würde sofort erkennen, um wen und was es da geht“, sagt Rodriguez. Seine präsidialen Emojis tragen aber auch versteckte Botschaften. „Trump verkörpert alles, was uns als Kindern eingetrichtert wurde, wie wir nicht sein sollten: gierig, dickköpfig, egoistisch. Das fließt in meine Illustrationen ein“, so Rodriguez. In der mittlerweile berühmt-berüchtigten Henker-Illustration zum Beispiel kommen Trumps Egoismus und sein Temperament zum Ausdruck.

Für Instagram gedacht

Die Geschichte, wie es zum im März erschienenen Cover mit Trump als Henker der Freiheit kam, ist eine kleine Legende für sich. Die Illustration hatte Rodriguez in einer anderen Form zunächst für seine Social Media-Kanäle angefertigt und hochgeladen. Als der Spiegel bei ihm um Cover-Ideen anfragte, fertigte er einige Skizzen an, die dem Hamburger Magazin aber allesamt nicht gefielen. Die Redaktion durchforstete daraufhin Rodriguez` Instagram-Account und entdeckte dann die Illustration, die sie leicht abgewandelt fürs Cover haben wollte. Ein Glückstreffer.

Keine Übertreibung 

Mittlerweile ist die Titelseite fast so ikonisch wie das Cover des Rolling Stone-Magazins, auf dem ein nackter John Lennon sich in Fötus-Position an seine Frau Yoko Ono schmiegt. Genau wie dieses Cover wurde auch Rodriguez’ Henker-Cover als geschmacklos bezeichnet. Rodriguez verweist dann gerne darauf, dass Trump ja auch Geschmackloses von sich gegeben hat. Doch er wollte nicht einfach nur Bashing betreiben. „Die größte Herausforderung ist es, immer die richtige Idee zu finden, um die Empörung über Trumps Handeln zu zeigen, ohne dabei mit der Wut und den Beleidigungen zu übertreiben“, so Rodriguez. Es gibt Kritiker, die behaupten würden, mit dem einen oder anderen "Spiegel"-Cover hätte er Wut und Beleidigung ins Maßlose gesteigert, vielleicht sogar der Story geschadet. 

Sehr heftig

Der junge Wiener Grafikdesigner und Kalligraph Camil Bahtijarevic, auch unter seinem Künstlername Calimaat bekannt, gehört zu jenen, die den extrem überspitzten, plakativen Stil des Illustrators kritisieren. „Das Cover, auf dem man Trump als Komet sieht, war noch lustig. Er nahm die Angst auf den Arm“, so Bahtijarevic. Doch beim Cover mit dem abgetrennten Kopf der Freiheitsstatue wurde eine Linie überschritten. Bahtijarevic konnte es nicht fassen. „Das war eine sehr heftige Ausdrucksform. Sie erzeugt eine reale Angst. Angst vor dem Terror. Und sie spielt mit einem gefährlichen Klischee.“ Das Problem dabei sei eben die Assoziation, die diese Illustration unweigerlich herstellt und zwar jene zur Terror-Organisation IS. „Diese Assoziation läuft Gefahr, ein hässliches Klischee, das auf den Islam verweist, zu erfüllen“, so Bahtijarevic. Viel leichter lassen sich solche Botschaften mit Satire transportieren, meint der junge Grafiker. Rodriguez jedoch bevorzugt eine fast schmerzhaft, ungezügelte und geradlinige Herangehensweise. Er hat gelernt, dass Kritik unvermeidlich ist. Wenn den Leuten es nicht gefällt, ist ihm das auch egal. Kritik streift er von sich ab wie Staub. 

Will nicht gefallen

Es überrascht Rodriguez jedoch sehr, dass manche Kollegen ihm vorwerfen, er würde es sich leicht machen, indem er solche provokante Illustrationen gerade  für den deutschen Markt anfertigt, wo die einträchtige Ablehnung von Donald Trump sich ohnehin beinahe durch das gesamte politische Spektrum zieht. „Diese Cover-Illustrationen sind international. Auch in den USA werden sie gesehen“, sagt Rodriguez. Außerdem meint er, dass er beim Zeichnen nur daran denkt, die Botschaft so klar und so stark wie möglich zu gestalten. „Meine Arbeiten zielen nicht darauf ab, ein bestimmtes Publikum anzusprechen und ihm zu gefallen. Nichts könnte mir mehr egal sein“, so Rodriguez. Nicht alle seiner Zeichnungen schaffen es auf Titelseiten. Doch dafür gibt es soziale Medien. Auf seinem Instagram-Account lädt er seine Werke hoch. Manchmal erweist sich das als gute Geschäftsidee. „Die sozialen Medien haben das Metier verändert. Mittlerweile kaufen Medien meine Werke auch dann, wenn ich sie vorher auf Twitter oder Instagram veröffentlicht habe“, so Rodriguez. Trump hat noch knapp über drei Jahre Amtszeit vor sich. Mindestens so lange wird auch Rodriguez noch mit seinem besten Feind arbeiten können.

Muhamed Beganovic

(4c Printausgabe 4/2017

 

 

 

leaderboard,skyscraper,rectangle_cad_300_250,banner_468,rectangle_300_250,rectangle_300_100