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Zeitungsdruck

16.12.2016 07:07

Nur 40 Gramm

Es sind nur ein paar Gramm, aber sie machen doch einen gewichtigen Unterschied: die meisten dänischen Zeitungen haben die Grammatur ihres Papiers von 45 Gramm auf 40 Gramm gesenkt. Erste Erfahrungen zeigen nun: dem Leser ist`s egal. Den Werbekunden aber nicht.

Was Hamlet, der Prinz von Dänemark wohl dazu gesagt hätte? Vielleicht das: "Ist dies schon Tollheit, so hat es Methode!" Auf der Suche nach Kostenvorteilen fassten beinahe alle dänischen Tageszeitungen vor einigen Jahren einen schwerwiegenden Entschluss: sie wollten die Grammatur des verwendeten Papiers senken, ohne Leser und Werbekunden zu vergraulen.

So geschah es denn, dass die dänischen Zeitungen die Grammatur des verwendeten Papiers im Jahr 2013 zuerst von 45 auf 42,5 Gramm/m2 senkten und nun bei 40 Gramm/m2 angelangt sind. In Dänemark funktioniert die solidarische Papierdiät aller großen Tageszeitungen deshalb, weil alle beim Einkaufsverband DDPFF ihr Papier ordern und auch alle den gleichen Preis bezahlen. 

Ein durchschlagender Erfolg

Die leichte Durchsichtigkeit der Seiten durch das niedrige Flächengewicht störte kaum einen Leser. Das kann Wolfgang Hiesinger, Produktverantwortlicher für Zeitungsdrucksysteme bei Manroland Web Systems, prinzipiell nachvollziehen. „Für den Leser macht vor allem der redaktionelle Inhalt die Zeitung attraktiv. Das Papier ist letztlich nur das Transportmedium“.

Die Umstellung auf ein dünneres 40 Gramm-Papier werde vom Leser akzeptiert und kaum gemerkt, „vor allem wenn der Schritt von 45 g/m² über 42,5 g/m² erfolgt.“, meint Hiesinger. Kritischer sieht er den Qualitätsschwund des Papieres wegen der Ansprüche von Werbekunden: „Hier wird dickeres Papier häufig als wertiger angesehen. Bei Werbeanzeigen ist ein Durchscheinen oder Durchschlagen von Farbe qualitativ bedeutsam.“ Also unerwünscht.

Technisch machbar

Bei der drucktechnischen Umstellung auf das 40 Gramm-Papier fühlten sich die Druckhäuser gut betreut, da der DDPFF technischen Support inklusive Hotline anbietet. Sicherlich, es gab und gibt auch Herausforderungen bei der Grammatursenkung. Neben der Verfügbarkeit des Zeitungspapieres zählten dazu Papierprobleme im Druck wie Lauffähigkeit, Wellenbildung, Papierbruch. Auch das Falzen wollte mit dem dünnen Papier nicht gleich gelingen.

Die moderne Zeitungsdruckmaschine an sich hat mit dem Einsatz leichter Papiere keine Schwierigkeiten, erklärt Wolfgang Hiesinger: „Die Verdruckbarkeit von 40 g/m² Papieren ist mit den heutigen Maschinentechnologien sicher gegeben. Auch ist das ja schon vor Jahren mit dem Druck von Telefonbüchern mit noch geringeren Grammaturen gelungen.“ 

Weniger Papier, mehr Farbe 

Wichtig ist vor allem die Papierqualität, also  Bedruckbarkeit und Opazität. Das hatten bereits DDPFF und Lieferanten wie UPM gemerkt. „Der Verbrauch von Farbe beim Verdrucken auf 40-Gramm-Papier stieg gegenüber dem 42,5-Gramm-Papier um sieben Prozent an. Die Farbauftragssysteme hatten Probleme. Wir haben mit den Papierlieferanten daran gearbeitet, eine bessere Oberfläche hinzubekommen. Das wurde geschafft, der Farbverbrauch sank wieder", sagt Thomas Isaksen, Chef des Einkaufsverbandes DDPFF.

Um die Opazität solch leichter Papiere ist es auch nicht so gut bestellt: „Bereits bei 42,5 g/m² ist ein Durchscheinen speziell von vollflächigen Anzeigen deutlich häufiger sichtbar und störend wahrnehmbar“, erklärt Zeitungsdruckexperte Hiesinger. Diese Neigung nimmt mit noch leichteren Papieren natürlich tendenziell zu.

Weniger Fläche

Niedrigere Grammaturen werden im europäischen Zeitungsmarkt häufig diskutiert. Speziell 42,5 Gramm schwere Papiere werden von Tageszeitungen häufiger verwendet. Aber es muss nicht immer nur leichteres Papier sein, um die Kosten zu senken. Es kann auch mal weniger Weißraum sein. „Durch die kleinere Papierfläche bei gleichbleibendem Satzspiegel können die Papierkosten häufig um weitere drei bis fünf Prozent gesenkt werden", sagt Wolfgang Hiesinger. Was weißraumverliebte Zeitungsdesigner Hiesinger wohl entgegnen würden? Vielleicht das, in den Worten Hamlets: " Wahr ist´s, ist schade, und schade, dass es wahr ist."

Ingo Woelk

(4c Printausgabe 6/2016)

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