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Grafik-Software

19.10.2016 11:20

Trickkiste der Transformation

Mit einer sehr unauffälligen Funktion werden in Adobe Illustrator schnell und einfach Objekte vervielfältigt, transformiert und verformt. Diese Effekte beeindrucken. Sie können als Sujet, Muster, Verzierung oder als Hintergrund dienen und bleiben editierbar.

Viele Anwender in Illustrator wundern sich, dass es im De-facto-Standardprogramm der Vektorgrafik keinen klar aufgeführten Befehl zur mehrfachen Duplizierung und Verschiebung von Objekten gibt. Ein Objekt in Illustrator mehrfach duplizieren, gleichzeitig verschieben, skalieren und drehen, das macht man mit dem Effekt „Transformieren“. Dieser unscheinbare und doch sehr leistungsfähige Befehl ist im Menü „Effekt“ unter „Illustrator-Effekte, Verzerrungs- und Transformationsfilter“ aufgeführt.

Vorteil Aussehen

Eine dominante Gemeinsamkeit haben in Illustrator alle Befehle im Menü „Effekt“. Sie ergeben ein Aussehen. Das Bedienfeld „Aussehen“ führt den ausgewählten Effekt auf. In dem Bedienfeld genügt ein Klick auf den verwendeten Effekt und man kann die Einstellungen ändern. In der Pfadansicht führt dies oft zu Verwirrung (Menü „Ansicht“ > „Pfadansicht“). Dort ist erkennbar, dass das Grundobjekt unverändert ist. Der Effekt hat bloss das Aussehen des Objektes verändert. Der grosse Vorteil besteht darin, dass die Einstellungen jederzeit verändert werden können. Ein Klick auf den Aussehenseintrag öffnet erneut das Einstellungsfenster des Effektes. Alle Effekte sind ausserdem unten links im Bedienfeld „Aussehen“ als Symbol für den schnellen Zugriff aufgeführt.

Ist man mit den grundsätzlichen Zusammenhängen erst mal vertraut, dass eben ein Effekt im Bedienfeld „Aussehen“ aufgeführt wird und editiert werden kann, so steht dem kreativen Spiel nichts mehr im Wege.

So entstehen Strahlen

Für einen Strahleneffekt erstellt man erst mal ein Rechteck. Danach wählt man den Transformationseffekt aus dem Menü „Effekte“ aus. Hier klickt man als Erstes auf die Vorschau, wählt den Ursprungspunkt unten Mitte aus und gibt einen Winkel ein, welcher teilbar durch 360 Grad ist. Dadurch werden die Rechtecke gleichmässig entlang eines Kreises verteilt. Dann gibt man die gewünschte Anzahl der Kopien ein. Auch hier ist bei gleichmässiger Verteilung entlang eines Kreises zu achten, dass die Kopien multipliziert mit dem Winkel, 360 Grad ergeben. Fertig ist dann bereits der Strahleneffekt. Die Grundform kann beliebig skaliert werden.

Turbine im Handumdrehen

Beim weiteren Experimentieren mit den Effekten dupliziert man am besten die Zeichenfläche aus dem gleichnamigen Bedienfeld. So bleibt jeder Entwurf erhalten. Zieht man nun mit dem Direktauswahlwerkzeug bei der Grundform den rechten Ankerpunkt über den linken Punkt, so werden alle Strahlen spitzig. Doch die Strahlen sollen sich auch noch biegen, so ähnlich wie bei einer Turbine. Den gewünschten Schwung erhält man über Verkrümmungseffekte. Passend dazu ist unter anderem „Bogen“ in vertikaler Richtung und einer über die Vorschau zu kontrollierende Biegung. Mit diesen Einstellungen wird nun so lange experimentiert, bis das Ergebnis passt.

Strudeln und zerknittern

Wem das alles noch zu brav erscheint, dem bietet Illustrator eine ganze Reihe von selten beachteten Werkzeugen. Diese sind dem „Breitenwerkzeug“ untergeordnet und heissen Verkrümmen, Strudeln, Zusammenziehen, Aufblasen, Ausbuchten, Kristallisieren und Zerknittern. Etwas haben diese Verformungswerkzeuge gemeinsam. Sie alle lassen sich über einen Doppelklick direkt auf das entsprechende Werkzeug in der Grösse, der Intensität, der Drehrichtung und vielen anderen Eigenschaften schon vor der Anwendung einstellen.

Danach steht dem Experimentieren aber wirklich nichts mehr im Wege. Klickt man beispielsweise mit dem Werkzeug „Strudel“ auf die Grundform und hält dabei die Maustaste gedrückt, so erzeugt die Pfadform an der entsprechenden Stelle einen Wirbel. Je länger dabei die Maustaste gedrückt bleibt, je kräftiger fällt der Wirbel aus. Diesen Vorgang kann man an diversen Stellen der Grundform wiederholen. Das Werkzeug „Zerknittern“ verformt die Kanten ungleichmässig. Die Auswirkungen sind in der Vorschau sofort bei allen Kopien ersichtlich. Mit zwei Effekten und nur wenigen Klicks mit den erwähnten Verformungswerkzeugen, entstehen so in kurzer Zeit ganz ausgefallene Formen. 

Skalierungen einsetzen

Eine Grundform kann nicht bloss in einer bestimmten Anzahl und anhand eines Ursprungspunktes gedreht werden. Die Grundform lässt sich auch in der Vervielfältigung noch skalieren. Dies ermöglicht weiteres Potential.

Die Grundform dazu bildet in unserem Beispiel ein Kreis. Im Befehl „Transformieren“ gibt man die Anzahl der Kopie ein. Dazu braucht es noch einen vertikalen Verschiebungswert, welcher höher ist als das Grundobjekt. Dann kann man mit den Skalierungen experimentieren. Erhöht man beispielsweise den horizontalen Wert, so erhalten alle Zwischenobjekte angepasste Abstufungen.

Es lohnt sich, diese Methode für die Arbeit in Illustrator zu merken. Mit den Transformationseffekten hat man beim gleichzeitigen Duplizieren, Verschieben und Skalieren einer Form oder auch einer gesamten gruppierten Grafik die zeitsparende Lösung zur Hand. Für das ändern der Einstellungen genügt jeweils ein Klick auf den Eintrag „Transformieren“ im Bedienfeld „Aussehen“. 

Formmuster erzeugen

Für die Mustererstellung kennt Illustrator einen eigenen Befehl. Dabei werden Formen repetierend aneinander gelegt, die als Flächen- oder Pfadmuster verwendet werden können. Mit den Transformationseffekten sind andere Arten von Muster möglich. Mit geschickten Einstellungen in der Skalierung, der Verschiebung, der Drehung und der Anzahl Kopien, entsteht plötzlich aus einem einzigen Kreis eine Ansammlung unterschiedlich grosser Kreise oder Ellipsen.

Soll die Grundform in ihrer Art bewahrt werden, so sollte die Skalierung horizontal und vertikal gleichmässig erfolgen. Die Werte dazu sollten möglichst tief sein. Eine Verschiebung ist abhängig von der Objektgrösse. Diese ist in der Regel höher als die Objektgrösse. Auch der Drehwinkel ist abhängig von der Objektgrösse und der Vorstellung eines Endresultates. Hier hilft das Einschalten der Vorschau. Am einfachsten klickt man danach in das Feld „Winkel“ und erhöht oder verringert die Werte auf der Tastatur mit den Pfeiltasten nach oben und nach unten. Bei der Anzahl der Kopien sollte man nicht sparsam sein. Hohe Werte erhöhen die Ausdehnung und geben dem Formmuster mehr Volumen.

Aussehen aufbauen

Man kann die Transformationseffekte auch noch weiter steigern. Der Schlüssel ist wieder im Bedienfeld „Aussehen“. Bei der ausgewählten Grundform wählt man dazu in den Optionen des Bedienfeldes „Aussehen > Neue Fläche“ hinzufügen. Damit hat man gewissermassen basierend auf dem bereits angelegten Aussehen eine neue Spielwiese mit vielen zusätzlichen Möglichkeiten. Im abgebildeten Beispiel wurde erst einmal eine andere Flächenfarbe verwendet, danach die Deckkraft heruntergesetzt und mit Füllmethoden experimentiert. Danach wurde die Form weiter verfremdet mit dem Effekt „Zickzack“. Dadurch bildet sich eine Sternenform. Diese Sternenformen sind passend über die bereits existierenden Kreise angeordnet. Es liegen somit im gleichen Objekt zwei Aussehen übereinander. Die zweite Fläche fügt sich harmonisch über die darunter liegende Fläche und übernimmt dessen Transformationseffekte. Beim Experimentieren mit den übergeordneten Aussehenseffekten wird klar, wie riesig und unerschöpflich das Potential ist.

Texteffekte

Illustrator ist ein sicherer Wert für viele spannende, ausgefallene und auflösungsunabhängige Texteffekte. Texte für Titelschriften oder dergleichen profitieren stark von den Transformationseffekten. Dabei lässt sich das gesamte Spektrum der Effekte kombinieren. Auch hier wird jeweils in den Optionen des Bedienfeldes „Aussehen“ über den Befehl „Neue Fläche hinzufügen“ eine neue Schicht geschaffen. Einzeln gedrehte Transformationseffekte haben den Vorteil, dass jeder Effekt im Bedienfeld „Aussehen“ unabhängig ist und so eine andere Farbe oder eine andere Schattierung aufweisen kann. Der Befehl „Neue Kontur hinzufügen“ ermöglicht bei einer Schrift die Verwendung einer Kontur entlang der Schriftzeichen.

Effekte können im Bedienfeld „Aussehen“ ein- und ausgeblendet werden. Ferner lassen sich Effekte in der Anordnung über oder hinter bestehende Effekte anordnen, so wie dies bei den Ebenen bekannt ist. Solche Texteffekte können jederzeit über die Textauswahl einen anderen Text aufnehmen oder durch neue Textformatierungen verändert werden. Das gesamte Aussehen bleibt dabei erhalten. Dies ist ein wichtiges Argument für Texteffekte. 

Aussehen speichern

Ein Grafikstil ist in Illustrator nichts anderes als ein gespeichertes Aussehen. Das heisst, man aktiviert die Grundform mit der verschiedenen Effekten aus und wählt dann aus den Optionen des Bedienfeldes „Grafikstil > Neuer Grafikstil“. Nach der Benennung des Grafikstiles kann dieser im gleichen Dokument für andere Formen verwendet werden. Um den Grafikstil auch in anderen Dokumenten zu verwenden, kann man den Bestand als „Grafikstil-Bibliothek“ speichern. Der entsprechende Befehl ist in den Optionen des Bedienfeldes „Grafikstil“ oder als Symbol unten links im Bedienfeld aufgeführt.

Wem das gesamte Potenzial eines einzigen gespeicherten Grafikstils nicht reicht, der kann Grafikstile auch addierend verwenden. Dazu aktiviert man die Grundform und klickt erst mal auf den passenden Grafikstil, respektive das gespeicherte Aussehen. Klickt man auf einen anderen Grafikstil, so wird der vorgängige Grafikstil wieder entfernt. Nicht so mit der Alt-Taste. Mit zusätzlich gedrückter Alt-Taste kann Illustrator weitere Grafikstile auf die Grundform addierend auftragen.

Flexibel im Einsatz

Für einige Verwendungszwecke wie beispielsweise spezielle Beschriftungsverfahren muss ein Aussehen umgewandelt werden. Dazu kennt Illustrator im Menü „Objekt“ den entsprechenden Befehl. Über diesen Befehl, kann das gesamte Aussehen in Pfade konvertiert werden. Bei einem umgewandelten Aussehen ist die Pfadansicht dann auch tatsächlich mit der Vorschau identisch. Da dadurch die Editierbarkeit verloren geht, wird in der Regel dies auf einer Kopie des Dokumentes vorgenommen.

Der grosse Vorteil in der Erstellung von Transformationseffekten ist zugleich der grosse Vorteil der Vektorgrafik insgesamt. Die Einsatzgebiete sind schier endlos. Die Ausgabegrössen sind flexibel anpassbar. Es gibt keine einschränkenden Bildauflösungen. Ob als Hintergrund für verschiedene Verwendungszwecke, unterschiedliche Medien, als Muster, Verzierung, als Export in andere Programme oder auch für Stoffdesign einer Kollektion, immer wieder trifft man auf die Handschrift des Klassikers Adobe Illustrator. In dessen Trickkiste warten viele Funktionen auf ihre Entdeckung.

Andreas Burkard

(4c Printausgabe 5/2016)

 

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