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Weiterverarbeitung

09.05.2016 10:49

In Erwartung eines Bruchs

Mit den ersten B1-Digitaldruckmaschinen für den Verpackungsmarkt wird auch die Nachfrage nach digitalen Alternativen in der Weiterverarbeitung lauter. Zumindest der Weiterverarbeitungsanbieter Highcon spekuliert damit. Highcon-CEO Aviv Ratzman glaubt, dass der Digitaldruck die Verpackungsindustrie „erschüttern“ wird.

Wahrscheinlich ist dies der entscheidende Impuls, den der Digitaldruck gebraucht hat, um sich auf das Niveau anderer industrieller Konkurrenztechnologien zu heben: die Beherrschung des B1-Formats, wie einerseits Landa und zweitens Heidelberg gemeinsam mit Fujifilm es zur Drupa versprechen.

Das neue Format wird auch rund um den eigentlichen Druckprozess zu neuer Erfindungskraft verhelfen – etwa in der Weiterverarbeitung, die mit dem digitalen Verpackungsdruck auch neue Ideen braucht. Auch davon wird vorerst vor allem Benny Landa profitieren, denn er hat auch in das Start-up Highcon investiert, das nun zur Drupa sein Portfolio an digitalen Stanzen im B1-Format ordentlich erweitert. 

Anpassungen

„Obwohl es großartige B2-Produkte auf dem Markt gibt, hinkt der Verpackungsmarkt noch hinterher. Es gibt viele Gründe, warum das B1-Format mehr Sinn für die Verpackung ergibt als B2, aber wichtiger noch: Digitaldruck ist eine riesengroße Veränderung für Unternehmen der Verpackungsbranche, die seit Dekaden und in vielen Fällen sogar seit Generationen mit Offset arbeiten“, beschreibt Aviv Ratzman, CEO von Highcon, den Wandel, den er im Verpackungsdruck erwartet. Ohne Blessuren wird das nicht abgehen: „Die Verknüpfung einer neuen Technologie mit einem neuen Format – neue Substrate, neue Workflows, neue Weiterverarbeitung – ist etwas, an das sich die meisten einfach nicht anpassen können. B1 wird für Digitaldruck den Ausschlag geben und die Verpackungsindustrie erschüttern – eine ausreichende Qualität, Stabilität und sinnvolle Betriebskosten vorausgesetzt“, sagt Ratzman.

Ratzman ist einer, der nichts gegen diese Erschütterung hätte. Mit der neuen Highcon Beam wird das Unternehmen aus dem israelischen Yavne eine Maschine bei der Drupa vorstellen, die bis zu 5.000 Bogen pro Stunde digital stanzen und rillen kann. „Die Geschwindigkeit der Maschine wird digitales Stanzen in den Mainstream des Verpackungsmarktes heben“, so Ratzman.

Billiger 3D-Druck

So könnte die Highcon Beam sowohl für konventionelle als auch digitale Druckereien interessant werden, die mit dem B1-Format arbeiten. Allerdings wird sie in den meisten Fällen die erste digitale Stanze sein – mit all den Unwägbarkeiten, die eine neue Technologie immer begleiten. Dafür gibt es dann aber auch Vorteile für den Verpackungsdruck. Der durchgehende digitale Workflow erlaubt etwa, noch in letzter Minute Korrekturen und Designänderungen schnell und einfach umzusetzen. Mit den neuen Modulen können Kunden mit variablen Daten stanzen – das erlaubt die Personalisierung, die Individualisierung und die Serialisierung. „Mit digitalen Stanzen sahen wir bereits Kunden höchst komplexe Ausschnitte und Ätzungen produzieren, um Verpackungen und Grußkarten zu verzieren. Wenn das Stanzen mit variablen Daten genutzt wird, um verschiedene Ebenen zu produzieren, können unsere Kunden sogar die Welt des 3D-Modelling mit der Rapid-Layer-Manufacturing(RLM)- Technologie betreten“, so Aviv Ratzman.

Digitalaffin

Digitales Finishing hat tatsächlich das Potenzial, die wachsenden Ansprüche des Marktes nach Individualisierung, Innovation, Differenzierung und Reaktionsfähigkeit zu befriedigen. „Das ist eine spannende Möglichkeit, die komplexe Laserschnittdesigns ermöglicht und deshalb für eine Vielzahl an Märkten einschließlich Luxusverpackungen mit Mehrwert, Direktmailings und Papeterie-Produkte ideal ist“, erklärt Jacky Sidebottom Every, Sales Director beim ersten Beta-Tester der Beam, Glossop Cartons in Großbritannien.

Leicht wird die Abschöpfung dieses Reservoirs neuer Möglichkeiten für Druckereien bestimmt nicht. Das konzediert auch Highcon-Chef Ratzman: „Ins Digitale zu wechseln, erfordert einige Veränderungen in der Vorgehensweise und in gewisser Weise auch in der Vision. Der Bediener braucht eher weniger Know-how im konventionellen Verpackungsdruck. Vielmehr sollte er möglichst digitalaffin sein und daran gewöhnt, mit digitalen Bilddateien und digitalen Workflows zu arbeiten.“ Die Jobprofile im Verpackungsdruck werden sich künftig wahrscheinlich stark verändern.

Anja Schlimbach

(4c Printausgabe 3/2016)

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