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Adobe

01.04.2016 09:51

Für Freunde

Mit Adobe Post soll der Entwurf einer ansprechenden Grafik für Social-Media-Messages schneller und besser gelingen. 4c hat gemeinsam mit vier Grafikern die Gratis-App getestet. Deren Urteil: zwischen „like“ und „unfollow“.

Das Prinzip von Adobe Post ist erstaunlich simpel: einem Bild einen Text zu verpassen. „Man könnte fast meinen, es wäre ein Instagram-Plugin“, so der schottische Illustrator Daniel Seex über die neue mobile Grafik-Anwendung von Adobe, die derzeit ausschließlich für iOS zu haben ist. Der Vergleich des Schotten ist stimmig. Denn Adobe will mit seiner Post-App die mobilen Geräte erobern und besonders designaffine Social-Media-Nutzer erreichen. 

Hashtag-Stempel

Die App-Anmeldung erfolgt über Facebook oder – klar – die Adobe Creative Cloud. Anschließend erhält man die Option, Bilder aus der Cloud, dem Handyspeicher oder der angebotenen Bibliothek auszuwählen. Sobald das gewünschte Bild geladen ist, kann man sich auch schon direkt um das Layout des Texts kümmern. Die integrierte Bildbearbeitung hat ein relativ dünnes Angebot: nur ein paar Farb- und Schwarz-Weiß-Filter können gesetzt werden. Einem Vergleich mit der Photoshop Express App halten die Bearbeitungsfunktionen nicht stand. „Zur Bildbearbeitung oder Anwendung von Filtern am mobilen Endgerät würde ich eher andere Programme verwenden“, bewertet der Wiener Grafikdesigner Maximilian Mauracher die eher scheue Herangehensweise von Adobe an die Bildbearbeitung in der Post-App. Einen weiteren Nachteil stellt das Hashtag-Wasserzeichen #adobepost dar, das jedes verwendete Foto verpasst bekommt und das erst verschwindet, wenn man die App mit einem Facebook-Freund teilt, der sich ebenfalls für Adobe Post anmeldet. Ob sich Adobe mit solch aggressiver Werberei Freunde macht, ist so sicher nicht. Zu guter Letzt ist das Programm ausschließlich auf ein quadratisches Format festgelegt, wogegen beispielsweise bei Instagram auch Hoch- und Querformat angeboten wird. 

Wenige Fonts

Was den gestalterischen Spielraum für den Text angeht, so bietet die App eine Vielzahl an dekorativen Elementen wie zum Beispiel Rahmen, Formen, und Ornamente. Außerdem können Größe, Abstand und Ausrichtung der Schrift bestimmt werden. Unter den installierten Fonts – rund 20 an der Zahl – findet man Klassiker wie Helvetica oder populäre Handwritten-Fonts. „Die Font-Auswahl ist sehr begrenzt, aber ausreichend, um einen ansprechenden Social-Media-Post zu gestalten“, urteilt Aleksandra Tanasijenko, Art Direktorin in Hamburg. Die Kapazität eines Smartphones reicht letztendlich wohl auch nicht aus, um eine große Anzahl an Schriften zu beherbergen.

Herkömmliche Vorlagen

Adobe Post ist nicht nur eindeutig für den mobilen Gebrauch optimiert, sondern hat auch ganz klar Laien im Visier. „Die Stärke der App besteht darin, dass in kürzester Zeit kleine Grafiken erstellt werden können, ohne dass Vorkenntnisse in diesem Bereich nötig sind“, fasst die Wiener Grafikerin Catharina Ballan zusammen. Neben der Möglichkeit, selbst über Bildhintergrund und Text zu bestimmen, bietet die App daher auch diverse Templates an. Diese sind in Stilrichtungen wie beispielsweise „Lifestyle“, „Essen“ oder „Reisen“ eingeteilt. „Design-Vorlagen sind vergleichbar mit Stockfotografie: Sie eignen sich für Nutzer, die einen einfachen Zugang suchen, um schnell etwas zu entwerfen. Das Ergebnis wird allerdings nicht gerade herausstechen“, betont Seex. Damit es vielleicht heraussticht, muss man sich an die virtuelle Kassa von Adobe begeben: Ein exklusives Template-Set mit 15 zusätzlichen Vorlagen ist kostenpflichtig erhältlich.

Erstaunlich farbsicher

Der einzige Bearbeitungsbereich der Post-App, der kaum Schranken enthält, ist die Farbauswahl. „So einen Farbsystem-Filter habe ich bisher in keiner anderen App gesehen“, sagt Tanasijenko. Dabei handelt es sich um ein Auto-Recolor-System, das je nach ausgewähltem Farbsystem die Hintergrundfarbe und die Schriftfarbe harmonisiert. Ähnlich überzeugend ist die flüssige Bedienbarkeit des Programms. „Während der Bearbeitung ist das Bild stets komplett scharf und Änderungsschritte wie zum Beispiel Drehen, Verschieben oder Pinch-to-Zoom sind extrem schnell geladen“, beschreibt Mauracher die Leistungsstärke der App. Keine Frage: Adobe Post kann seinen Nutzern rasch das Gefühl von graphischer Genugtuung bei ihren Social-Media-Aktivitäten geben. Laien werden das zweifellos liken.

Ann Kimminich

(4c Printausgabe 2/2016)

 

Daumen hoch und Daumen runter

Was die App kann und was weniger gut an Adobe Post ist.

 

Die Stärken:

  • Sehr einfache Bedienung, keine Photoshop-Kenntnisse notwendig
  • Übersichtliche Navigation
  • Gute Gruppierungen
  • Schneller, flüssiger und dabei scharfer Bildaufbau während der Bearbeitung
  • Praktische Textgrößen-Änderung
  • Inspirierendes Auto-Recolor-System
  • Templates werden laufend angepasst und erweitert

 

Die Schwächen:

  • Quadratisches Format
  • Geringe Auswahl an Fonts
  • Wenige Optionen zur Bildbearbeitung
  • Buchstabenabstand kann nicht geändert werden
  • Blocksatz fehlt
  • Templates sind auf Lifestyle-Themen ausgerichtet
  • Möglichkeit, mehrere Bilder gleichzeitig zu bearbeiten oder Collagen zu erstellen (eventuell interessant für Fashion-Blogger), fehlt
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