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Corporate Design

09.02.2016 10:52

Damit sich alle dran halten

Styleguides sind bei der Entwicklung und der Einhaltung eines Corporate Designs bedeutsam, sie selbst werden aber meist ziemlich uninspiriert erstellt: als Bildchensammlung in Powerpoint oder als Typo-Depot, grafisch vereist in einem pdf. Frontify hat einen Plan für die Style-Leitfäden. Und bietet den nun als Online-Tool an.

Selbstverständlich. Warum sind andere da nicht eher draufgekommen. Was ist denn naheliegender, als einen einfachen, grafisch ansprechenden Marken-Styleguide über eine webbasierte Lösung abzuwickeln und anzubieten? Nichts. Jedenfalls für Nutzer von Frontify.

Mit dem Online-Tool können Anbieter und Anwender eines Styleguides schnell, einfach und effektiv Wissen austauschen, das wichtig für eine gesicherte Verwendung im produktiven Alltag ist. Aber zuerst einmal zur begrifflichen Erklärung: Unter einem Styleguide ist ein Extrakt eines Corporate Design Manuals zu verstehen. Diese Essenz wird üblicherweise im Umfang von vier bis 16 DIN A4 Seiten auf totem Baum produziert und ist oft schon veraltet, wenn die Bögen rückendrahtgeheftet werden. Das geht offenkundig besser.

Der Anbieter der Lösung, die Frontify AG, ist in St. Gallen in der Schweiz beheimatet und hat offenbar reichlich Erfahrung damit, die essentiellen Kernaufgaben eines Styleguides flink und fein über eine Browser-basierte Lösung – auch für wenig geübte Anwender – bearbeitbar und für deren Kunden leicht verfügbar zu machen.

Kostenlos im Privatmodus

Über das Tool ist es möglich, innerhalb eines Tages zu einem ansehnlichen Styleguide zu kommen, dessen Zugriffslink man dann in der ganzen Welt verteilen kann – und das sogar kostenfrei. Erst, wenn man die Werbehinweise von Frontify unsichtbar machen oder mehrere Benutzer an den Inhalten des Styleguides arbeiten lassen möchte, werden Zahlungen fällig. So kann man in großer Tiefe die Lösung im „Privatmodus“ testen und anschließend, wenn die Übersicht fertig und bereit ist, den eigenen Styleguide in der Welt sichtbar machen.

Dieser proaktive Ansatz im Umgang mit der eigenen Marke stellt sicher, dass Branding-Informationen nicht von irgendwelchen dubiosen Websites in veralteter Fassung bezogen werden. Wer schaut sich schon gerne diese Fünf-DPI-Logos in Powerpoint-Präsentationen an, die von irgendwelchen Websites gezogen und dann mit vier Metern Breite auf Wände gebeamert werden.

Farbset-Generator

Frontify kennt alle essentiellen Bestandteile eines Corporate Designs und kann unmittelbar von Gestaltern nutzbare Datenabzüge zum Download bereitstellen – inklusive Schriften und Farbeinstellungs-Sets. Dabei beschränken sich Doppeleingaben auf wenige Bereiche, die oft ohnehin unterschiedlich formuliert werden müssen. Aus den hinterlegten Farbangaben erzeugt das Tool selbständig Farbsets, die heruntergeladen und in Anwendungen wie Illustrator direkt genutzt werden können.

Die Grundhaltung von Frontify ist dabei stets: Online first. Die Informationen, die für das Print-Umfeld wichtig sind, können zwar hinterlegt werden – beim Download der dazugehörigen Dateien merkt man aber schnell, dass die RGB-Welt Priorität hat.

Die Schere hilft

Praktische Kleinigkeiten fallen oft erst bei etwas intensiver Beschäftigung mit Frontify auf: So ist es über ein kleines Scheren-Icon möglich, bereits hinterlegte – aber falsch im Kontext plazierte – Inhalte an beliebige andere Stellen im Styleguide zu versetzen. Ein Blick in die recht umfangreiche Online-Unterstützung lohnt sich immer – wenngleich sie ausschließlich Englisch mit dem Benutzer spricht. Die reiche Bebilderung der Möglichkeiten hilft aber über eventuelle sprachliche Hürden hinweg.

Die Lösung verkaufen die Schweizer in Paketen zu 19 bis 99 US-Dollar Nutzungsgebühr pro Monat, je nach Nutzeranzahl. Wer die Lösung nur mal testet und kein zahlender Kunde ist, muss etwas kreativ im Umgang mit den Möglichkeiten werden. Aber wirklich eklatante Lücken gibt es nicht. Und es kam im Verlauf des Tests nie zu Datenverlusten oder merkwürdigen Verhaltensweisen von Frontify. 

Jason Harder

(Printausgabe 1/2016)

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