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Zeitungsexperiment

19.08.2011 06:10

Doppelt nordisch

Am 27. August wird das deutsche Massenblatt „Bild“ in beinahe doppelter Größe wie an normalen Tagen erscheinen. Und als größte Tageszeitung der Welt auch ins Guinness Buch der Rekorde kommen.

Form und Inhalt passen bei der „Bild“ ja so gut zusammen wie bei kaum einem anderen Blatt. Effektreiche Schlagzeilen kombiniert mit effektvoller optischer Inszenierung – niemand kann das besser als die „Bild“-Zeitung. In diesem Jahr setzt das Zentralorgan des Instinktjournalismus besonders viele Akzente,  teilweise jubiläengetrieben: am 11. September, zehn Jahre nach den Anschlägen in New York und Washington, verschickt Bild-Chefredakteur Kai Diekmann Teile seiner journalistischen Truppe über den Atlantik und lässt eine ganze Ausgabe komplett in New York produzieren. Am 3. Oktober, dem  21. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung, wird die „Bild“ eine Sonderausgabe produzieren.

Schon am 27. August aber erscheint die „Bild“, die unbeirrt am leicht unhandlichen Nordischen Format fest hält,  in beinahe doppelter Größe. „Bild XXL“ heißt das im Springer-Jargon. Man hat Erfahrung mit Druck-Experimenten. Im vergangenen Jahr, ebenfalls Ende August, erschien die Zeitung als 3D-Ausgabe. Der damalige - noch plagiatsunverdächtige - deutsche Verteidigungsminister Karl Theodor von Guttenberg posierte martialisch vor einem Kampfjet, der deutsche Designer Wolfgang Joop zeigte den Bild-Lesern sein Refugium. Geliefert wurde die Ausgabe mit 3D-Brille. Um 14 Prozent mehr als an normalen Tagen hat die “Bild” damals verkauft. Die Zeit war günstig für das 3D-Experiment: „Wir waren begeistert von den neuesten Entwicklungen im Bereich der 3d-Bildgebung wie zum Beispiel bei David Camerons Film `Avatar´. Parallel zur Bild-Ausgabe in 3D startete auch Arte einen 3D-Thementag“, sagt Christoph-Sebatsian Simon, Chef vom Dienst bei der “Bild” gegenüber 4c.

Bei der XXL-Ausgabe muss man auf solche symbiotischen Effekte weitgehend verzichten und der Produktionsaufwand ist höher als bei der 3D-Ausgabe. Diesmal müssen die Springer-Druckereien ihre gesamte Produktion für einen Tag auf das beinahe doppelte Format von 77,7 x 52,8 Zentimeter umstellen, auch die Vorstufe wird gefordert sein. „Die Produktion ist diesmal sicher aufwändiger als bei unserer 3D-Ausgabe“.

Die 3D-Ausgabe vom letzten Jahr wurde bisher nicht wiederholt, die XXL-Ausgabe wird es wohl auch nicht. “Bild XXL ist ein einzigartiges Erlebnis für die Leser und ein großer Spaß für die Redaktion. Wir zeigen damit deutlich, welche Möglichkeiten und Stärken ein gedrucktes Medium bietet”, so Simon. Wiederholt wurde die 3D-Ausgabe vom letzten Jahr bisher nicht, die XXL-Ausgabe wird vermutlich auch keinen Nachfolger finden. Und Karl-Theodor von Guttenberg, den wird man aller Voraussicht nach auch nicht mehr so prominent abgelichtet finden.

Der Marketing-Effekt für die Zeitung jedenfalls wird enorm sein und dafür wird auch alles getan: ein Repräsentant des Guinness Buchs der Rekorde wird die Produktion in der Springer-Druckerei in Berlin überwachen und die doppelt große Bild anschließend als größte Tageszeitung der Welt in Millionenauflage ins Rekordbuch aufgenommen.

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