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Software

27.11.2015 13:23

Gechts Puzzle

Die Übernahme des britischen MIS-Anbieters Shuttleworth Systems durch EFI ist eine weitere eigentlich unspektakuläre Akquisition des Drucksystem-Konzerns. Spektakulär dagegen ist, wie sich EFI mit jeder vergleichsweise kleinen Übernahme langsam eine dominierende Position im Software-Geschäft aufbaut.

Jetzt also auch noch Shuttleworth Business Systems. 5,7 Millionen Euro Umsatz, 45 Mitarbeiter, rund 900 Installationen, Sitz in Northhamptonshire. Kein Unternehmen, das am Markt für MIS-Systeme, zumal außerhalb Großbritanniens besonders auffällig gewesen wäre. Das hat sich nun schlagartig geändert: Mit der Übernahme durch den amerikanischen Drucksystem-Anbieter EFI wird Shuttleworth Systems Teil eines mittlerweile ansehnlichen Portfolios an kleineren Softwarehäusern. 

Die Einkaufstouren

Schlag auf Schlag folgten die Akquisitionen in den letzten vier Jahren. Im Februar 2011 übernahm EFI Print Stream von Streamline, im Dezember 2011 folgte Alphagraph, ein knappes Jahr später Technique, im Sommer 2013 die französische GamSys, wenige Monate danach folgte Metrix mit seinem bekannten Druckbogen-Optimierer, der als Modul fortan in die MIS – und ERP-Lösungen von EFI integriert wurde. Der deutsche Anbieter Lector war im Herbst 2013 dran. Auch Prism in Australien, Metrics Systems in Südamerika, Print Leader und Pace in Nordamerika wurden ökonomisch eingemeindet, DiMS im Jahr 2014. Im Verpackungsbereich kaufte EFI-Chef Guy Gecht den franzsösichen Spezialisten Rhapso Graphisoft MIS, erst im vergangenen Oktober wurde mit Corrugates Technologies ein Unternehmen gekauft, das besonders im Wellpappenmarkt technologisch gut aufgestellt ist.

Den Markt dominieren

Nicht die einzelnen Unternehmen sind es, die so wertvoll sind für EFI, wie Branchenkenner Bernd Zipper, Gründer von Zipcon Consulting analysiert: „Ich beobachte mit Besorgnis die Aktivitäten von EFI, die gezielt ein MIS-Portfolio aufbauen das weltweit wohl einmalig ist. Dabei geht es nicht um Misstrauen gegenüber EFI, sondern vielmehr gilt meine Besorgnis der Weiterentwicklung des MIS-Markts. Durch eine Konzentration des Geschäftes kann EFI, genauso wie im RIP-Bereich, schrittweise eine marktdominierende Stellung einnehmen und letztlich eine eigene Preispolitik durchsetzen. Mit gut gefüllten Kassen für künftige Übernahmen und einer enormen Energie wird EFI versuchen, die Top-Player der MIS-Standardlösungen einzusammeln“.

Ab in die Cloud

Die meisten Softwarelösungen, die EFI in den letzten Jahren eingesammelt hat, werden in die schon bestehende Software-Architektur von EFI eingegliedert. Für den Anwender ändert sich durch eine Übernahme nichts. Allerdings lassen sich nun etwa die Lösungen der vor zwei Jahren übernommenen deutschen Softwareschmiede Lector problemlos in die Digital Store Front und die Fiery Workflow-Suite von EFI integrieren.

„Dem Abnehmer muss bewusst sein, dass bei Standardprodukten meist individuelle Anpassungen, persönlicher Service und eine kundenorientierte Weiterentwicklung auf der Strecke bleiben. Aber: Eine gute Software wird nicht auf einmal schlecht, weil sie einen neuen Eigentümer hat. Daher können die Produkte des EFI-Portfolio durchaus für den einen oder anderen Abnehmer richtig sein. Letztlich hat aber für mich das MIS der Zukunft nur eine Heimat: Die Cloud und die Zugänge  via Browser und Mobile. Die Zukunft der Druckindustrie wird künftig eher von Online-Zugängen beherrscht – nicht zwingend von einem Softwareanbieter“, so Bernd Zipper. Das mag schon stimmen. Allerdings ist auch gar nicht ausgeschlossen, dass sich EFI durch seine aggressive Expansionspolitik und das eingekaufte Know-how auch die Cloud untertan macht. 

Anja Schlimbach

(4c Printausgabe 6/2015)

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