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Papierindustrie

19.04.2016 12:20

Scharfe Kritik der Papierindustrie an Österreichs Energiepolitik

Der Papierindustrielle und Austropapier-Präsident Alfred Heinzel hat Österreichs Energiepolitik stark kritisiert. "Eine Schande" sei die Ahnungslosigkeit von Politikern. Insbesondere die Ökostrom-Förderungen bekämpft die Papierindustrie vehement.

Alfred Heinzel, Präsident der Branchenvereinigung Austropapier und Papierindustrieller, pflegt durchaus direkte Formulierungen. "Wir haben leider keine Energiepolitik in Österreich", kritisierte Heinzel bei der Bilanz-Pressekonferenz der österreichischen Papierindustrie insbesondere das Ökostrom-Förderregime. Seit 15 Jahren kämpfe die Papierindustrie gegen die Ökostrom-Förderungen und für eine konsequentere kaskadische Nutzung von Holz, doch bisher erfolglos: "Vielleicht ist unsere Branchenvertretung zu schwach, aber wir sind beim Ökostrom keinen Schritt weiter gekommen", so Heinzel.

Nach Zahlen der E-Control würde der in Österreich produzierte Ökostrom einen Marktpreis von etwa 370 Millionen Euro pro Jahr erzielen, die Förderungen dagegen lägen bei mehr als einer Milliarde Euro und würden bis 2017 auf rund 1,35 Milliarden Euro steigen. Diese Diskrepanz zwischen Marktwert des Produkts Ökostrom und Förderungen finanziere jeder Stromkunde. Die Ökostrom-Förderungen würden jeden Haushalt in Österreich pro Jahr mit 100 bis 150 Euro belasten.

Die Papierindustrie fordert deshalb statt einer Förderung der Einspeisung von Ökostrom in das Stromnetz eine Investitionsförderung für entsprechende Anlagen. Außerdem sollten - und auch das habe die Politik weitgehend verabsäumt - endlich Effizienzkriterien für die Anlagen festgeleget werden. 

Mit einer kaskadischen Nutzung von Holz, also der bevorzugten Verarbeitung des Rohstoffs in Papier und Karton oder andere Güter, würden eine fünf Mal höhere Wertschöpfung und zehn Mal mehr Arbeitsplätze geschaffen als wenn das Holz etwa gleich zur Energiegewinnung verbrannt würde.

Allerdings ortet Heinzel eine Mischung aus Desinteresse und Ahnungslosigkeit unter Politikern: "Es ist eine Schande, dass wir in Österreich solche Verfehlungen begehen", so der Austropapier-Chef an die Adresse der Bundesregierung. "In Österreich werden fossile Gaskraftwerke ökostromgefördert. Das darf ja nicht wahr sein", beklagt Heinzel.

Außerdem kritisierte Heinzel scharf die Strukturen in Österreich. Er selbst pflege Geschäftsbeziehungen in 107 Ländern. Aber nirgends sei es so kompliziert wie in Österreich. "Der Föderalismus ist der Tod der Volkswirtschaft", so Heinzel.

Insgesamt sei das vergangene Jahr für die österreichische Papierindustrie ein weniger leidvolles als in der Vergangenheit gewesen. "Wir haben den Substitutionsschock durch digitale Medien überwunden", sagt Heinzel. Selbst bei Büchern sei wieder eine Präferenz der Konsumenten für die gedruckte Variante feststellbar, und dies zulasten von E-Books.

Der Gesamtumsatz der Papierindustrie lag 2015 bei 3,8 Milliarden Euro, das bedeutet ein Plus von 0,8 Prozent. Die Produktion ist indes um zwei Prozent auf fünf Millionen Tonnen gestiegen. Besonders stark entwickelte sich der Verpackungssektor: er legte in der Produktion um 4,9 Prozent auf insgesamt 1,9 Millionen Tonnen zu. Außerdem hätten niedrigere Rohstoff - und Energiekosten selbst bei fallenden Preisen für das Produkt zu einer verbesserten Margensituation geführt.

Außerdem soll sich die Branche von der Bezeichnung "Papier und Zellstoff" lösen. "Das hat keinen Sex mehr", so Heinzel. Vielmehr werde man sich künftig als Interessenvertretung für "Papier und Biorefinery" darstellen. Am 11. und 12. Mai soll in Graz eine große "Paper & Biorefinery"-Konferenz stattfinden. Die österreichische Politik wird großteils abwesend sein.

Martin Schwarz

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