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Notizbuch

07.06.2017 19:25

Neue Zettelwirtschaft

Ein niederländisches Kickstarterprojekt möchte den Notizblock neu erfinden. Und bekam dafür über 100.000 Euro von Unterstützern im Web.

Leonardo Da Vinci soll bekanntlich stets ein Notizbuch um seinen Gürtel getragen haben. Nicht einmal das Universalgenie wollte sich vollständig auf sein Gedächtnis verlassen, wenn es darum ging, sich Idee nach Idee zu merken. Diese Legende erzählt uns zweierlei. Erstens, dass Notizblöcke seit Jahrhunderten wichtige Accessoires für Kreative und Denker sind. Zweitens, dass sie seit jeher kompakt waren. Wir schreiben nun das Jahr 2017. Seit etwa zehn Jahren gelten die Regeln der Kompaktheit nicht mehr. Handys waren vor Jahren schon mal winziger.

Kann nicht viel

Ein Kickstarterprojekt aus den Niederlanden, das den simplen Namen Notebook Modular trägt, hat sich kürzlich der Aufgabe angenommen, den Notizblock neu zu erfinden und ihn ins 21. Jahrhundert zu holen. Dafür wollten die Gestalter des Designbüros  Allocacoc aus Delft ursprünglich gerade mal 6.000 Euro von Unterstützern im Web sammeln. Sie bekamen 103.052 Euro. Das Siebzehnfache der Summe die nötig gewesen wäre, um ihr Projekt zu starten. Es muss eine Sehnsucht geben nach Produkten, deren Funktionalität ganz offenbar ziemlich eingeschränkt und gleichsam klar ist und die beinahe erschreckend analog sind.

Papier raus, Papier rein

Das modulare Notebook der Niederländer also ist vergleichsweise groß, vergleichsweise unhandlich und sieht wie eine hochwertige Arbeitsmappe aus. Eigentlich kann es nur eine Sache richtig gut: Man kann beliebig viel Papier hineinlegen oder herausnehmen. Klappbare Magnetkanten sorgen dafür, dass die Zettel in der Mappe fixiert werden. Die Notizmappe gibt es mit Polyestereinband oder aus Kunstleder für die teurere Variante und das in vier verschiedenen Farben. Zwei verschiedene Größen bieten die Mappen-Entwickler an, A4 und Standard US Letter. „Einer der größten Probleme herkömmlicher Notizblöcke war das Herausnehmen oder gar Herausreißen einzelner Seiten. Nach einer Weile ist der Block leer“, sagt Lisze Siaw, Sprecherin von Allocacoc. „Wir wollen deshalb die Blöcke am Leben erhalten, indem man immer wieder Blätter hinzufügen kann“, so Siaw.

Wirklich modular

Das Notizbuch ist also eigentlich gar kein Notizbuch, sondern eine ziemlich clever gestaltete Mappe, in der man seine Zettelwirtschaft verwahren kann. Da beide Seiten der Mappe mit Magneten versehen sind, kann man auf der einen Seite die losen Notizblätter und auf der anderen etwa einen Terminkalender befestigen. Oder ein Tagebuch. Je nach Bedarf. Daher auch das Wort Modular im Produktnamen.

Die hohe Finanzierungssumme wird dazu genutzt, den Notizblock auch tatsächlich in Serienproduktion gehen zu lassen. Prototypen wurden schon hergestellt und getestet. In den nächsten Monaten soll das Produkt fertig sein. 30 Euro soll die Polyester- und 45 Euro die Kunstleder-Version kosten. Teurer als ein Notizbuch von Moleskine. Aber die klugen Italiener zeigen ja auch schon seit Jahren, dass der erzielbare Preis simpler Papierprodukte vor allem eine Frage cleveren Marketings ist.

Muhamed Beganovic

(4c Printausgabe 3/2017)

 

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