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Künstliche Intelligenz

08.12.2017 17:54

Alexa, layoute ein Buch

Man kann sich mit Amazons Alexa oder Apples Siri unterhalten. Wenn man mag. Man muss auf den Websites von Unternehmen mit Chatbots kommunizieren. Ob man mag oder nicht. Doch was kann künstliche Intelligenz beim Designen leisten? Vorerst nicht allzu viel.

Kreativität, Intuition und Emotionen gelten als jene drei Eigenschaften, die Menschen - noch jedenfalls - von Robotern unterscheiden. Lange Zeit hieß es, dass man just diese Fähigkeiten nicht programmieren kann. Doch Algorithmen werden immer komplexer, lernfähiger und mit dem Aufkommen künstlicher Intelligenz tun sich neue Felder und neue Chancen auf. Bis Algorithmen oder selbstlernende Systeme diese drei Solitär-Tugenden des Menschen imitieren können, wird es noch eine Weile dauern. Doch sie können jetzt schon im kreativen Prozess helfen.

Entscheidungen treffen 

„Intelligente Systeme können dabei unterstützen, Entscheidungen zu treffen. Zum Beispiel bei der Frage, wie User Interface-Elemente, Schriftarten oder auch Farbräume am besten miteinander harmonieren und gleichzeitig markenkonform eingesetzt werden können“, sagt Nico Weckerle, Leiter der Abteilung Experience Strategy bei der Deutschen Telekom. Sein Arbeitsfeld bezeichnet er als „horizontale Verknüpfung der Produkte“ des Unternehmens. Er gehört zu jenen Menschen, die bereits Algorithmen anwenden. „Es ist weniger so, dass uns künstliche Intelligenz heute schon unsere Arbeit abnimmt“, sagt Weckerle. „Aber wir beziehen die Möglichkeiten, die uns Deep-Learning-Algorithmen zur Verfügung stellen, in die Konzeption zukünftiger Services mit ein“, fügt er hinzu. Anders gesagt: Künstliche Intelligenz im Bereich Design ist der Praktikant, der ohne Supervision des Projektleiters nicht viel zusammenbringt.

Hiernonymus Bosch brauchte länger

Künstliche Intelligenz kann man sich zur Zeit vor allem als responsives System vorstellen, nicht viel anders als Apples Siri, Amazons Alexa oder Microsofts Cortana. Es basiert auf Frage und Antwort. Es ist ein System, das aus der Auswertung statistischer Daten lernt. „Machine Learning ist eine große Statistikmaschine, die sehr große Referenzdatenbanken analysiert und Wahrscheinlichkeiten daraus erstellt“, sagt Michael Zöllner, Professor für Interaction Design an der Hochschule Hof in Bayern. Je besser die Recherche, desto besser das Design. Es verwundert deshalb nicht, dass Google ganz vorne mitmischt im Bereich der Künstlichen Intelligenz. „Ohne unsere Nutzungsdaten hätte Googles AI keine Arbeitsgrundlage“, sagt Zöllner. Ein klassisches Beispiel wäre Deep Dream, eine Erkennungssoftware der Suchmaschine, die auf dem Prinzip eines künstlichen neuralen Netzwerks basiert. Die Software wurde mit Millionen von Bildern gespeist und darauf trainiert, Muster in diesen Bildern zu erkennen. In einem folgenden Schritt wurde die Software angewiesen, diese Muster nachzuahmen. So entstanden hypnotisierende, bunte Bilder, die teilweise durch die Medien gingen. „Deep Dream ist ein tolles Beispiel für eine New Aesthetic, die nur im Experiment mit neuen Technologien entstehen konnte. Natürlich hat auch Hieronymus Bosch ähnlich gearbeitet, aber recht lange an einem Bild gesessen“, sagt Zöllner.

Daten-Design

Nico Weckerle sieht noch ein Einsatzfeld für Machine Learning. „Zum Beispiel beim Gestalten von Conversational UIs, also der Interaktion mit Chatbots. Für diese Technologien benötigen wir Tools, mit denen Dialoge konzipiert und greifbar gemacht werden können“, sagt er. Der Auftrag des Designers im Produkt- und Serviceumfeld ist es, die Brücke zwischen menschlichen Bedürfnissen und Technologie zu bauen und Interaktionen möglichst einfach und selbsterklärend zu gestalten. All das basiert auf Big Data und der Auswertung davon. „Künstliche Intelligenz kann hier einen entscheidenden Beitrag leisten, diese Hürden zu senken“, sagt Weckerle.

Nach Daten-Journalismus kommt nun Daten-Design. Natürlich recherchieren auch menschliche Designer, doch sie brauchen Wochen, was ein Algorithmus in einem Bruchteil dieser Zeit schafft. „Wir sollten dies als Chance sehen. Der kreative Mensch bekommt damit ein mächtiges Werkzeug oder einen fleißigen Kollegen“, sagt Zöllner. Die Möglichkeiten liegen auf der Hand, wenn man viele Merkmale einer Gruppe analysieren lassen und Schlüsse für die Gestaltung ziehen kann. Durch das Erkennen des Nutzungskontextes, aber auch aus gelernten Verhaltensmustern, können viele Eingaben automatisiert und relevante Inhalte oder Funktionen zielgenau angeboten werden. „So können zum Beispiel anhand des Stimmprofils der Nutzer erkannt und durch Einbeziehung von Ort und Zeit relevante Funktionen oder Inhalte prominenter dargestellt werden“, erläutert Weckerle. 

Künstliches Kunstwerk

„Grundsätzlich sollten wir Kreative diese neuen Technologien sehr früh für uns nutzen und somit am Entwicklungsprozess beteiligt sein“, wünscht sich Michael Zöllner. Tools, ebenfalls aus der Domäne der Künstlichen Intelligenz, gibt es genügend und es kommen laufend welche dazu. Prisma oder Glitché sind zwei Filter-Apps, die User-Bilder in malerische Kunstwerke verwandeln. Artisto macht das Gleiche für Videos.

InVision oder Sketch bieten Funktionen, die den Workflow für Designer enorm vereinfachen. „Die automatisierte Adaption auf unterschiedliche Bildschirmgrößen oder auch das Erstellen von Clickdummies ohne Programmierkenntnisse sind hier als Funktionen direkt integriert“, hebt Weckerle die Vorteile dieser zwei Programme hervor. Man findet auf Künstliche Intelligenz gestützte Tools sogar online. Zum Beispiel Webseiten wie Wix oder The Grid, beides Webseiten-Generatoren, die eine Website mit wenigen Klicks erzeugen können. Sogar im Journalismus werden Algorithmen - in diesem Fall Bots - eingesetzt, um Nachrichten zu schreiben. Unter anderem kommen sie beim Tech-Portal Endgadget zum Einsatz.

Die Palette ist breit. Im Grunde übernehmen diese Programme repetitive Aufgaben. Die Automatisierung bringt vor allem den Vorteil, dass Gestalter mehr Zeit für konzeptionelle Aufgaben haben. „Wer selbst schon mal an der Aufbereitung von UI-Assets für unterschiedlichste Betriebssysteme und Auflösungen gearbeitet hat, weiß wovon ich spreche. Diese Aufgaben sind lästig und aufwändig“, sagt Weckerle. Michael Zöllner sieht es ähnlich. „Neue Technologien in der Gestaltung geben uns neue Ausdrucksmöglichkeiten, die durch generative Gestaltung, Automatisierung und Variantenerstellung einfach Zeit sparen“, sagt er. „Und sie lassen uns Projekte bearbeiten, die früher so nicht möglich gewesen wären“, fügt er hinzu.

Die Betrachtung von Künstlicher Intelligenz als heilbringende Technologie wird allgemein doch kritisch betrachtet. „Auch wenn es schon einige Beispiele auf dem Markt gibt, betreten wir hier dennoch Neuland. Das lässt noch viel Spielraum für Exploration. Den klassischen Designprozess beeinflusst diese Form der Arbeit noch nicht“, sagt Weckerle. Es gibt noch keinen Roboter, der völlig autonom Logos oder Print-Sujets entwirft und das wird sich auch noch lange Zeit nicht ändern. „Kreativität ist nach wie vor eine primär menschliche Fähigkeit. Wir werden nur neue Wege suchen müssen, sie einzusetzen“, sagt Weckerle.

Muhamed Beganovic

(4c Printausgabe 6/2017)

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