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Illustrator

23.08.2017 09:57

Zwei Effekte für drei Dimensionen

Der vektorbasierte Zeichnungsklassiker Illustrator ist natürlich kein vollwertiges 3D-Programm. Doch die integrierten 3D-Effekte sind vielfältig und oft auch sehr hilfreich.

Ein 3D-Programm kann modellieren und die drei Dimensionen von beliebig Seiten und Perspektiven betrachten. Als Zeichnungsprogramm hat der Adobe Illustrator seit vielen Versionen im Menü "Effekt" die dazu konzipierten 3D-Befehle "Extrudieren" und "abgeflachte Kante", "Kreisen" und "Drehen" integriert. Wobei "Drehen" als zuletzt genannter Befehl dazu da ist, mit einfachen Mitteln ein Objekt in die Perspektive zu legen. Hier ist jedoch die Perspektivenfunktion von Illustrator wesentlich hilfreicher. Das perspektivische Zeichnen wird unterstützt von den beiden Werkzeugen "Perspektivenraster" und "Perspektivenauswahl". Allerdings kann man nachträglich eine perspektivische Zeichnung nicht von anderen Raumdimensionen betrachten. So bleiben also bloss zwei 3D-Effekte übrig - jedoch sind es zwei Effekte, die sich sehen lassen.

Balken und Kreise 

Die wohl schnellste Art, einen 3D-Effekt anzuwenden, führt über einen "Grafikstil". In der Grafikstil-Bibliothek befinden sich gespeicherte 3D-Effekete. Der Erste mit dem bescheidenen Namen "3D-Effekt 1" eignet sich für die Diagrammtypen zur Schaffung eines vertikalen oder horizontalen Balkendiagrammes sowie eines Kreisdiagramms. Der entsprechende 3D-Grafikstil kann einfach den Balken oder einem gesamten Kreisdiagramm übertragen werden. Der angelegte Grafikstil beinhaltet ferner noch den Stilisierungseffekt "Schlagschatten".

Um die Einstellungen zu ändern, klickt man bei einem ausgewählten Objekt im Bedienfeld "Aussehen" auf den dort aufgeführten Effekt "3D Extrudieren und abgeflachte Kante". Die Optionen zeigen die wichtigsten Einstellungen, weitere Einstellungen werden unter "Mehr Optionen" zugeschaltet. Bei einem Kreisdiagramm kann man im Optionen-Fenster des 3D-Effektes unter anderem die Position ändern. Die Vorgabe "Isometrisch oben" zeigt das Diagramm in der visuell angenehmen Betrachtung von oben und die erzeugte Tiefe bildet sich nach unten. Möchte man bei einem Balken die durch den 3D-Effekt erzeugte Tiefe ändern, so ändert man Tiefeneinstellung "Tiefe der Extursion". Um die Farben der Balken oder der Teilbereiche eines Kreisdiagrammes zu ändern, muss man zuerst mit dem Direktauswahlwerkzeug die entsprechenden Objekte auswählen und danach ganz einfach die Flächenfarbe in den Farbfeldern ändern. Doch damit ist das Potential vom 3D-Effekt "Extrudieren und abgeflachte Kante" noch längst nicht ausgeschöpft.

Schriftdimensionen 

Wenn es zur Gestaltung passt, wird ein Titel mit einem 3D-Effekt zum imposanten Blickfang. Die Schrift muss dazu vorgängig in Pfade umgewandelt werden. Die Schriftzeichen sind danach gruppiert. Möchte man die umgewandelten Buchstaben einzeln verändern, so sollte man vor dem 3D-Effekt die Gruppierung aufheben.

Als Ideenspender für den 3D-Titeleffekt kann auch wieder die 3D-Grafikstil-Bibliothek dienen. Durch die Änderungsmöglichkeiten im Bedienfeld "Aussehen" führen diese gespeicherten Grafikstile oftmals zur Lösung. Die Farben lassen sich nachträglich sehr leicht im Menü "Bearbeiten > Farben bearbeiten > Bildmaterial neu färben" an das gewünschte Erscheingungsbild anpassen.

Kreis und Ring

Doch nicht bloss Flächen, auch Konturen lassen sich mit "Extrudieren und abgeflachte Kante" wirkungsvoll in 3D-Objekte umwandeln. Etwa bei einem Ring: Als Grundform dient ein Kreis mit einer Konturenstärke von einem Punkt sowie einer passenden möglichst hellen Konturenfarbe. Der 3D-Effekt "Extrudieren und abgeflachte Kante" verwandelt den Kreis zu einem Ring. Mit der Option "Tiefe der Extursion" wird die Tiefe des Ringes beeinflusst. Um die Kanten weicher zu gestalten wird die abgeflachte Kante auf "Abgerundet" eingestellt. Mit eingeschalteter Vorschau lässt sich der passende Wert der Höhe einer abgeflachten Kante ermitteln. Die abgeflachte Kante kann nach innen und nach aussen verschoben werden. Für den Ring ist die Option "Nach aussen verschieben" besser geeignet. Die Position wird mit der Drehung des Würfels verändert. Unter "Mehr Optionen" offenbaren sich zwei Einstellungen. Zum einen kann an der Kugel die Lichtquelle verschoben oder neue hinzugefügt werden. Jede ausgewählte Lichtquelle lässt sich in der Intensität präzise einstellen. Als weitere wichtige Einstellung sind die Angleichungsstufen hervorzuheben. Illustrator errechnet selber die Zwischenstufen bei den Farbübergängen. Die vorgegebenen 25 Angleichungsstufen zeigen oftmals holprige Übergänge zwischen den Farben und den Schattierungen. Höhere Werte erzeugen weiche Übergänge in der Schattierung der Oberflächenfarbe. 

Die Werte eines Würfels

Die 3D-Effekte können auch Objekte auftragen. Diese Objekte werden vorgängig im Bedienfeld "Symbole" angelegt. Als Beispiel dazu dient nun ein Würfel mit den Zahlen von 1 bis 6. Als Erstes erstellt man ein Quadrat ohne Kontur und Flächenfarbe in der Grösse des Würfels. In fünf weiteren Kopien dieses Quadrates werden die Zahlen von 1 bis 6 erarbeitet. Diese werden danach einzeln in das Bedienfeld "Symbole" gezogen.

Danach erfolgt die Konstruktion des Würfels. Dazu wird ein vorgängig erstelltes Quadrat dupliziert, damit die gleichen Maße vorliegen. Dieses Duplikat bekommt eine Flächenfarbe, hat aber keine Kontur. Danach wählt man das Menü "Effekt > Stilisierungsfilter > Ecken abrunden" und gibt dort einen Wert ein, um die Kanten nicht eckig erscheinen zu lassen. Anschließend wird mit "Extrudieren und abgeflachte Kante" die Tiefe des Würfels bestimmt. Hier gibt man die Maße des Quadrates in Millimeter ein. Illustrator akzeptiert die Eingabe von Millimetern, wandelt diese aber anschliessend in Punkt um. Die Kantenabflachung liefert mit der Option "Hoch-Abgerundet" gute Resultate.

Um den Würfel noch besser der Raumdimension anzupassen, hat "Extrudieren und abgeflachte Kante" die Einstellung der "Perspektive". Ein leicht höherer Wert erzeugt einen wesentlich realistischeren Eindruck, indem der perspektivische Fluchtpunkt berücksichtigt wird.

Mit dem Zuschalten weiterer Optionen kann Illustrator das Bildmaterial zuweisen. Die Herausforderung im Fenster "Bildmaterial zuweisen" ist erst einmal das Auswählen der richtigen Fläche. Durch die Abrundung der Ecken wurden viele Flächen generiert.  Ein rote Markierungsfarbe zeigt in der Drahtgitterdarstellung die aktive Fläche an. So muss zuerst die entsprechende Oberfläche bestimmt werden und danach wird das gewünschte Symbol auf diese Fläche aufgetragen. Für alle sechs Seiten wird so das entsprechende Symbol aufgetragen.

Für nachträgliche Änderungen steht auch hier wieder das Bedienfeld "Aussehen" zur Verfügung. Ein Klick auf den dort aufgelisteten 3D-Befehle führt zurück zum Fenster "Extrudieren und abgeflachte Kante".

Halber Kreis, ganze Kugel 

Der 3D-Effekt "Kreiseln" verfolgt das Ziel, eine Pfadform um die Achse zu drehen. Da die Einstellung von 360 Grad in den meisten Fällen belassen wird, vervollständigt "Kreiseln" den offenen Pfad automatisch zu einer 3D-Form.

Mit dieser Methode wird sehr einfach eine Kugel erstellt. Dazu benötigt man lediglich einen halben Kreis. Dieser offene Pfad bekommt eine Füllfarbe, jedoch keine Kontur. Danach formt der 3D-Effekt "Kreiseln" den halben Kreis zur Kugel. Werden vorgängig beispielsweise Streifen als Symbole gespeichert, so können diese mit "Bildmaterial zuweisen" direkt auf die Kugel aufgetragen werden. Die Symbole werden mit der Option die Option "Bildmaterial schattiere"n im Fenster "Bildmaterial zuweisen" besser an die Lichtverhältnissen der 3D-Form angepasst. Mit den richtigen Farben entsteht damit der Strandball.

Verdeckt und unsichtbar

Bildmaterial zuzuweisen hat mit der Option "Unsichtbare Geometrie" eine weitere Option, die sich durchaus lohnt, genauer unter die Lupe genommen zu werden. Mit "Unsichtbare Geometrie" werden die Stellen sichtbar, die bei einem 3D-Körper im Dunkeln liegen. Bei der Platzierung eines Symboles treten im Fenster "Bildmaterial zuweisen" abhängig vom ausgewählten Positionierungsbereich oft helle und dunkle Stellen auf. In der Regel wird das Symbol in den sichtbaren Bereich platziert oder sogar mit der Option "Auf Seitengrösse anpassen" in diesen sichtbaren Bereich eingefügt. Doch es gibt durchaus interessante Einsatzgebiete für den unsichtbaren Bereich.

In einer Bedienungsanleitung wird etwa oft ein gebogener Pfeil benötigt, um eine bestimmte Drehung eines Bedienelementes darzustellen. Ein solcher Pfeil lässt sich gut mit "Unsichtbarer Geometrie" aufbauen. Zuerst erstellt man den Pfeil und zieht diesen in das Bedienfeld Symbole. Danach wird ein Quadrat mit einer grauen Füllungsfarbe erstellt. Die Kontur hat dabei weder eine Farbe noch eine Stärke. Danach wird mit "3D > Kreiseln > 360 Grad" die 3D-Form erstellt. Mit aktivierter Vorschau klickt man dann auf "Bildmaterial zuweisen", verwendet in der Flächenauswahl die dritte Fläche und danach das gespeicherte Symbol. Diesen Pfeil muss man unter Umständen im Platzierungsbereich drehen und in der Grösse anpassen. Danach klickt man auf "Unsichtbare Geometrie". Das bewirkt, dass man den im Schatten liegenden Bereich der 3D-Form Bereich erkennt. Ausserdem wird so automatisch die Füllungsfarbe der 3D-Form entfernt. Der Pfeil hat aber nach wie vor seine Farbe. Mit der Option "Bildmaterial schattieren" bekommt der Pfeil die Schattierungsfarben des 3D-Körpers.

So werden für solche Bedürfnisse dann nach und nach die Pfeile in der passenden Drehung erstellt. Diese erstellten 3D-Pfeile können dann weiter einzeln als Symbole gespeichert werden. Das wiederum hat den Vorteil von globalen Änderungsmöglichkeiten. Bei einer allfälligen Änderung macht man dazu ganz einfach einen Doppelklick auf die Form, gelangt so in den Isolationsmodus, und nimmt die Änderungen über das Bedienfeld "Aussehen" vor. Ein Beenden des Isolationmodus passt dann automatisch alle platzieren Symbole an. Zudem wird durch die Verwendung von Symbole die Dateigrösse reduziert, da in diesem Fall bloss Instanzen des Originals verwendet werden. 

Keine Weiterentwicklung

Die 3D-Funktion ist gut, könnte jedoch noch wesentlich besser sein. Sie wird nämlich von Adobe in Illustrator einfach von Version zu Version durchgeschoben, statt sie weiter zu entwickeln. Ähnliches kennt man von der Diagrammfunktion. Adobe bemüht sich nicht einmal um die Behebung gelegentlicher Rendering-Probleme und manchmal auftretender falscher 3D-Berechnungen. Zeitgemäss wäre außerdem eine Brücke zu Photoshop und den dortigen 3D-Funktionen.

Andreas Burkard

(4c Printausgabe 4/2017)

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