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Großformat

07.03.2016 08:02

Das ist noch nicht alles

Sie dominieren schon den Großformat-Markt. Einige Anwendungen sind ihnen aber verschlossen. Noch. Jetzt arbeiten die Hersteller von UV-Drucksystemen daran, die Technologie für noch mehr Märkte weiter zu entwickeln.

UV-Tinten gibt es ja nun schon eine ganze Weile auf dem Markt. Sie sind gut, wenn es um Substratvielfalt und starre Medien geht. ABS oder ein vergleichbares Material lässt sich problemlos und ohne Vorbehandlung bedrucken.  Aber es eröffnen sich noch immer Entwicklungsperspektiven für den UV-Druck. Es gibt immer wieder neue Produkte, um bestehende Nachteile zu minimieren. „Wir bringen fast jedes Jahr ein neues UV-System auf den Markt und verbessern permanent unsere Tinten, gerade was Außenbeständigkeit und Flexibilität angeht“, so Andreas Lettner, Marketing Manager bei Mimaki Deutschland. „Nach allen Richtungen bestehen also noch Möglichkeiten der Weiterentwicklung. Wir haben neben den klassischen Flachbett-Systemen beispielsweise auch ein Rollendruck-System mit UV-Tinte im Einsatz.“

Größerer Farbraum

Auch EFI investiert signifikant in die Entwicklung von Drucksystemen und -tinten. „Wir stellen sicher, dass das gesamte System produktiv ist und unseren Kunden die beste Rendite bringt. Die EFI-Forscher haben beispielsweise neue Töne von Cyan, Magenta und Gelb entwickelt, die zusammen mit den Fiery XF Colormanagement-Tools den Farbraum der originalen EFI-Tinten erweitern“, erklärt Ken Hanulec, Marketingchef von EFI Inkjet Solutions. „Sie haben das Ziel einer besseren Wiedergabe der Pantone-Farben mit zehn bis 15 Prozent mehr Farbraum erreicht, ohne andere Farbkanäle für alternative Farben aufzugeben.“

Die Außenbeständigkeit wurde durch die Entwicklung von flexiblen Tinten und einer tintenstrahlfähigen UV-härtenden Beschichtung verbessert. Die Akquisition von Matan in Israel im vergangenen Jahr soll da einen Entwicklungsschub bringen. „Die schützende Beschichtung verlängert die Außenbeständigkeit um mehr als zwei Jahre. Der EFI Matan Quantum Flex Drucker kann vier oder acht Farben drucken und im gleichen Druckdurchgang das Bild mit der Schutzschicht beziehen. Die mechanischen und optischen Charakteristika der Kombination aus Farbe und Schutzschicht liefern eine gute Lösung für die Bedruckung der Seitenplanen eines LKW oder die Fahrzeugverklebung“, fügt Ken Hanulec hinzu.

Kratzfest und auf vielen Materialien

Wachstum wird es aber vor allem in neuen Anwendungen geben. Einige interessante Nischen und Anwendungen, in denen der UV-Druck seine Stärken weiter ausspielt, sind bereits erobert. Die Solvent-UV-Technologie ist ein Beispiel. Neben Mimaki bietet auch Fujifilm eine entsprechende Lösung an. Letztere nutzt den Solvent-Carrier, damit der UV-Film, nachdem der Solvent-Anteil verdunstet ist, vergleichsweise dünn bleibt.

Für den Anwender sind Solvent und UV interessant, aber sie entwickeln sich natürlich in verschiedene Anwendungsfelder und verschiedenen Märkte. „Ich sehe nur wenige Schnittstellen“, erklärt Mimaki-Experte Leonhard Spiegl. Im Sign&Graphic-Markt vereint der Solvent-UV  deshalb die Vorteile beider Technologien. UV-Tinte härtet  kurzfristig komplett aus. So entsteht die extrem hohe Kratzbeständigkeit. Im Solvent-Bereich wiederum hat sich in den letzten zwölf Jahren die Materialvielfalt extrem weiterentwickelt. „Solvent-UV deckt den gesamten Solvent-Bereich an flexiblen Materialien ab, und ermöglicht darüber hinaus die Verwendung weiterer Substrate, die bisher im Solvent-Druck nur schwer zu verarbeiten waren“, beschreibt Spiegl den Nutzen. „Natürlich soll irgendwann sogar die Möglichkeit bestehen, starre Materialien zu bedrucken.“ 

Eine Baustelle von Solvent-UV ist die Flexibilität. Immerhin ist und bleibt die Basis eine UV-Tinte. „Dass UV-Tinte vollständig aushärtet, ergibt als negative Konsequenz, dass sie nicht mehr ganz so flexibel ist. Wenn man beispielsweise in die Fahrzeugverklebung gehen wollte, muss man ein Zeitfenster von etwa 48 Stunden einhalten, ansonsten kann man in sehr tiefen Sicken von fünf Zentimetern oder mehr einen leichten Weißbruch bekommen“, so Spiegl.

Trotz aller Vorteile wird diese Entwicklung zukünftig eher ein Nischenprodukt bleiben. Solvent wird zumindest die nächsten fünf Jahre definitiv noch Standard bleiben. „Viele unserer Kunden vertrauen lieber auf die Solventtechnologie, die sich schließlich auch bewährt hat. Die JV33 ist allein in Deutschland tausendfach verkauft worden“, beschreibt Andreas Lettner das Grundvertrauen in die Solvent-Technlogie.

Auch ist mitunter eines der wichtigsten Kaufkriterien der Gerätepreis. „Trotz permanenter Weiterentwicklung der UV-Technologie sind die UV-LED-Lampen zwar in der Leistung deutlich verbessert worden, aber im Preis nicht deutlich gesunken.“, sagt Lettner. Sollte zukünftig, bedingt durch steigende Stückzahlen, der UV-LED-Lampenpreis sinken, könnten auch kostengünstige Rollendrucksysteme produziert werden.

Auch für Autos

Interessant sind vor allem neue Anwendungen, in denen der Anteil an UV-Technologie noch wachsen kann. So arbeitet EFI beispielsweise eng mit den Druckkopfherstellern zusammen, um geeignete Schwingungsverläufe und Spannungsvarianten zu entwickeln. „Das verlangt eine enge Kooperation zwischen Chemikern und Software- sowie Druckkopfingenieuren und ein signifikantes Investment in Hardware und Tintenzuführsysteme“, so Ken Hanulec.

Eines der Ergebnisse der Arbeit von EFI ist beispielsweise eine hochflexible Tinte für das Carwrapping und Tiefziehanwendungen, die EFI 3M SuperFlex. Für solche Anwendungen war UV bis dato nicht geeignet, da die Oberfläche fester aushärtet und dazu tendiert, zu brechen, wenn sie gedehnt oder durch Erhitzen verformt wird.

Solche Entwicklungen öffnen die Türen dann schließlich auch zu neuen Märkten außerhalb des traditionellen Sign&Graphic-Marktes in etliche Anwendungen von geformten Produkten, die bislang in kosten- und arbeitsintensiven Dekorationsverfahren gefertigt werden mussten.

Industrielle Intelligenz

Der Druck auf Platten, Touch-Displays oder die Bedruckung von starren Komponenten wie Gehäusen oder Abdeckungen sind sehr attraktive Nischen. „Mit dem kleinerformatigen UV-Druck adressieren wir auch Industrieanwendungen“, erzählt Leonhard Spiegl. „Mit UV-Tinten können Metall- oder Hartplexiglasplatten problemlos dekoriert werden. Und mit dem Bedrucken von Komponenten oder Baustoffen innerhalb von industriellen Fertigungsprozessen erschließen wir bereits komplett neue  Anwendungsgebiete.“, so Spiegl.

Tampondruck ist in der Formherstellung für solche Anwendungsszenarien schon zu teuer. Und wenn man beispielsweise Typenschilder oder Seriennummern mit aufbringen möchte, kommt man mit dem Siebdruck nicht weit. „Es wird bedarfsgerechter produziert. In einer intelligenten Fertigungslinie weiß man, welche Variante in welcher Farbe und mit welcher Seriennummer ein Produkt, das gerade gefertigt wird, später das Werk verlassen wird. Das kommt dem Digitaldruck entgegen“, glaubt Andreas Lettner.

Anja Schlimbach

(4c Printausgabe 1/2016)

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