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12.09.2017 12:08

Pop-up-Print

Das Digitale ist gegenüber Print vor allem deshalb im Vorteil, weil Print mit einem Ideen-Defizit zu kämpfen hat. Wie der Erfolg von Pop-up-Zeitungen nun wieder zeigt.

Als die Briten im vergangenen Jahr durchaus überraschend für den Austritt aus der Europäischen Union stimmten, schickte ein britischer Verlag innerhalb einer Woche nach dem folgenschweren Referendum eine Wochenzeitung an die Zeitungskiosks der Insel: „The New European“, die Zeitung für „die 48 Prozent“, also die Gegner des Brexit, war gegründet; konzipiert als Pop-Up-Zeitung für nur vier Ausgaben.

Wer im vergangenen August in Italien, in Österreich oder der Schweiz urlaubte, wird am einen oder anderen Zeitungsstand möglicherweise eine neue Wochenzeitung entdeckt haben: die „Summer Edition“ des britischen Lifestyle-Magazins Monocle. Jede Woche wurden darin zum stolzen Preis von acht Euro Themen verhandelt, die so leicht wie eine sommerliche Brise und so tiefgründig wie der Neusiedler See waren – Lektüre wie geschaffen für Menschen, die den Kopf gerade frei und die Zehen möglicherweise im Wasser hatten. Auch die „Summer Edition“ von Monocle war eine Pop-Up-Zeitung: nach vier Ausgaben war Schluss.

Auch wenn „The New European“ und die gedruckte Sommerparty von Monocle inhaltlich nicht vergleichbar sind, so ist ihnen das verlegerische Kalkül gemein: nur mit einer gedruckten Zeitung war in klar abgezirkelten Ziel – und Interessengruppen – dort die nach Trost gierenden Brexit-Gegner, hier die Urlauber mit üppigem Zeitbudget – rasch Sichtbarkeit und Reichweite zu schaffen. Websites wären da der trägere und damit untauglichere Medienkanal gewesen.

Der Erfolg von Pop-Up-Zeitungen legt eine Vermutung nahe: Printmedien scheitern vielleicht weniger am Digitalen, sondern an der Ideenvergessenheit der Printmedienmacher. Der „New European“ ist indes längst keine Pop-up-Zeitung mehr. Wegen anhaltenden Erfolgs erscheint er weiter. Woche für Woche.

Martin Schwarz

(Printausgabe 5/2017)

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